Laufbahn

LuFo-Volontär: Der Kunsttäuscher

Dominik Bönisch hat BWL studiert und jobbte bei der Krankenkasse. Jetzt ist er Volontär im Aachener Ludwig Forum für Internationale Kunst und experimentiert mit Virtual Reality-Technik und optischer Täuschung. Wie kommt man dazu? Ein Besuch.

TEXT SIMON WIRTZ
FOTO SIMON WIRTZ

Ich habe erst einmal BWL studiert, mit dem Schwerpunkt Management im Gesundheitswesen«, erklärt Dominik nüchtern. Platz genommen haben wir auf Holzbänken im Hof des Ludwig Forums, Familien passieren uns. »Hier ist heute volles Haus – donnerstags ist der Eintritt umsonst«, kommentiert der Museumsvolontär das Geschehen. Die Empfangshalle ist tatsächlich fast komplett gefüllt, und auch im Museum selbst sind viele Besucher unterwegs. Zwei Ausstellungen zeigt das LuFo derzeit, bei einer davon hat Dominik Bönisch kuratorisch assistiert. »›Lust der Täuschung‹ ist -eine richtig interessante Ausstellung. Hier arbeiten wir viel mit optischen Effekten. Ein ganz besonderes Highlight ist für mich die Virtual Reality. Die Ausstellung ermöglicht es den Besuchern, VR zu erleben und in einem künstlerischen Sinn wahrzunehmen«, erzählt Dominik begeistert.

Aber wie kommt man aus dem Versicherungsbüro ins Museum? »Das ging über Umwege«, holt er aus. Na klar, wie denn auch sonst. Die Geschichte beginnt lange vor dem Studium, noch während eines Aushilfsjobs bei einer Krankenkasse in Erfurt: »In Erfurt gab es für Leute wie mich und meine Freunde damals, die Lust auf was Kreatives hatten, kaum Angebote. Deshalb haben wir uns gedacht – lass uns ein Fotografiemagazin machen! Das fand großes Gehör in der Stadt, und wir konnten uns echt austoben.« Das Magazin lebt weiter, noch heute arbeitet er daran in seiner Freizeit. Doch eine Karrieremöglichkeit stellt es nicht dar: »Für mich hieß es nach der Schule erstmal, was Greifbares zu machen. Und da war ein BWL-Studium irgendwie das Richtige. Das brachte mich dann eben auch zur Krankenkasse, wo ich viel Kontakt mit unterschiedlichen Leuten hatte und viel lernen konnte.«

Doch irgendwie war das nicht das Richtige. Der Wandel kam dann weit weg von Versicherungsbüro und Uni – während des Auslandssemesters in Budapest. »Budapest war eine tolle Zeit. Lebendige Stadt, interessante Leute. Als das Semester zu Ende war, wollte ich unbedingt länger bleiben. Ich erfuhr dann, dass das Ludwig Museum dort einen Praktikanten suchte, und bewarb mich. Das klappte sogar!«, erzählt Dominik rückblickend. Im Budapester Ludwig Museum bekam er einen ersten Einblick in den Arbeitsablauf eines Museums, in die Aufgabe eines Kuratoren und des Museumsbetriebs. »Anträge schreiben, die Ausstellung warten, Führungen durchführen, Programmhefte schreiben und mehr… Das ist ein riesiger Aufwand, eine Ausstellung baut sich nicht von alleine auf«, merkt der gebürtige Thüringer an. Das Volontariat im Aachener Ludwig Forum kam für Dominik Bönisch dann genau zur richtigen Zeit: »Kurz vor Ende des Praktikums gab es eine offene Volontärsstelle in Aachen. Das Volontariat ist grundsätzlich Teil der wissenschaftlichen Ausbildung und ermöglicht es, nach dem Studium erste praktische Erfahrungen im -Museumskontext zu erlangen. Ich war noch nie in Aachen gewesen, aber warum nicht? Und ich habe es bis heute nicht bereut«, erklärt Bönisch.

Kunst im Jahr 2019
Am LuFo schätzt Dominik Bönisch insbesondere die Bestände und Möglichkeiten. »Hier bin ich als kuratorische Assistenz nochmal ganz anders gefordert. Viele Installationen, neue Technik. Hier muss man sich ganz neu reindenken, viel Kraft investieren. Aber es lohnt sich: Die neue Technik macht das Museum noch interessanter für alle Altersgruppen. Hier kann man reflektieren, etwas über sich selbst lernen«, ergänzt Dominik. Zum Abschluss des Gesprächs zeigt er noch seine Lieblingsinstallation: »Elliptical Glass: KEPLER 452 b« von James Turrell. »In dieser Installation, aber auch vielen anderen in dieser Ausstellung kann man Umstände reflektieren, Protest ausüben, sich selbst ausdrücken. Das fasziniert mich«, schließt Dominik Bönisch und schaut tief in die magentafarbene Licht-Installation. \

bis 30.6.
Lust der Täuschung
Ludwig Forum für Internationale Kunst
Di-So 10-17 Uhr; Do 10-20 Uhr
ludwigforum.de