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Schauspielschule in Bangkok: Später Spieltrieb

Von der Aachener Studentenbühne zur eigenen Schauspielschule in Bangkok: Robin Schroeter lebt seinen Traum in Südostasien. Deutsche TV-Stars trifft er dort ganz nebenbei auch noch. Aber was hat eigentlich Onkel Hans damit zu tun? Einblicke in die Welt des einzigen westlichen Schauspiellehrers in der Riesenmetropole.

TEXT ALEXANDER BARTH
FOTOS MASTERCLASS STUDIO

Urlaub bei Onkel Hans, das klingt nicht unbedingt wie die optimale Ausgangslage für ein abenteuerliches Leben fernab vom Dreiländereck. Für Robin Schroeter war -allerdings eine Reise im Jahr 2002 genau das. Zur Wahrheit gehört, dass besagter Onkel im Süden Thailands residiert. Dreimal war Schroeter dort, ehe er den Entschluss fasste, seinen Lebensmittelpunkt nach Südostasien zu verlagern. Für ein Auslandsstudium mit Meerblick, so beschreibt es der heute 37-Jährige im Rückblick. Seit 2006 lebt er in der Acht-Millionen-Metropole Bangkok. Seine Leidenschaft für das Theater, die ihn zuvor über etliche Nachwuchsbühnen Aachens geführt hatte, schien zunächst daheim geblieben zu sein. Ein Auskommen als Schauspieler? Für den ehemaligen Schüler des Kaiser-Karls-Gymnasiums in der damals noch neuen Umgebung erstmal kein Thema. Mittlerweile hat sich das geändert. Als Leiter einer eigenen Schauspielschule für Kinder gibt Robin Schroeter sogar seine Passion weiter.

Dabei sah es zunächst so aus, als ob der Weg des Exil-Aacheners ein anderer sein sollte. Nach einem Studienabschluss in Kommunikationswissenschaften arbeitete er als Business Developer, ehe er die gut dotierte Stelle aufgab. Zugunsten der alten Leidenschaft: »Es hat mich einfach zurück zum Theater gezogen. Das hat hier mit dem Bangkok Community Theatre angefangen«, sagt er. Plötzlich habe er sich gefühlt wie zu jener Zeit, als er seine ersten Erfahrungen beim Jugendclub am Theater Aachen und bei der RWTH-Studententruppe »Actor’s Nausea« sammelte. Zuvor hatte er sich in Bangkok schwer getan mit Anschluss oder echten Freundschaften. Das Szenario erinnert ein bisschen an den Film »Lost in Translation«, wo der von Bill Murray verkörperte Charakter seine Probleme mit dem Leben im fremden Tokio hat. »Mit dem Theater kam alles zurück. Auf einmal sprach man die gleiche Sprache. Und ich wusste irgendwann: Das möchte ich bis zum Ende meines Lebens machen«.

Heute hat sich Schroeter als Quereinsteiger im Kosmos der Schauspielerei etabliert. Seine »Marktlücke« ist die Verbindung in die alte Heimat: »Wenn eine deutsche Produktion nach Thailand kommt, sind die Chancen groß, dass ich in irgendeiner Weise involviert bin. Wenn nicht vor, dann hinter der Kamera.« Der Aachener ist für viele verschiedene Jobs gefragt, vom Sprach- und Schauspieltrainer bis zum Caster. Manchen hiesigen TV-Star hat er in seiner Wahlheimat bei der Arbeit kennengelernt, Ulrich Tukur zum Beispiel oder Erol Sander. Stolz ist er auch auf seine Mitarbeit am Streifen »Patong Girl«, der 2014 einen Grimme-Preis erhielt. Seit 2017 hat Schroeter einen Master-Abschluss in Regie. »Bis dahin habe ich als Freiberufler gearbeitet. Dann war unser Sohn unterwegs und es wurde klar, dass wir etwas Stabileres brauchen.« Gemeinsam mit seiner Frau June, selbst Schauspielerin, fasste er den Plan für eine eigene Einrichtung speziell für Kinder.

Im September 2018 eröffnete das Paar sein »Master Class Studio«, auch dank finanzieller Unterstützung von guten Geistern aus Schroeters Heimatstadt. Unterrichtet werden derzeit Kinder zwischen vier und zwölf Jahren in verschiedenen Kursen, das Angebot soll ausgebaut werden. »Wir können unsere Liebe fürs Spiel und für das Theater an die nächste Generation weitergeben«, freut sich der 37-Jährige. »Thailand braucht mehr kreative Köpfe«. Die hätten es, ebenso wie systemkritische Zeitgenossen, schwer unter der Militärregierung. »Und im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Thailand so gut wie keine Fördermöglichkeiten für kreative Projekte.« Trotz mancher Widrigkeit fühlt sich Robin Schroeter längst in Thailand und speziell in Bangkok angekommen. Nicht nur, dass er dort eine Familie gegründet hat – auch die Gesundheit hat sich verbessert: »Seitdem ich hier lebe, habe ich kein Asthma mehr.« Urlaub bei Onkel Hans, das klingt am Ende nach einer komplett nachhaltigen Entscheidung. \

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