Laufbahn

Tschüss Studium! Willkommen Ausbildung!

Er wurde befürchtet und nun ist er da: der Studienabbruch. Julia Birkekoven musste sich diesem Alptraum eines jeden Studenten stellen. Zum Glück gibt es das »RESET-Programm« der Handwerkskammer Aachen. Warum der Studienabbruch am Ende doch das Beste war, was ihr passieren konnte, verriet sie uns im Interview.

INTERVIEW VERENA BODENSTEIN
FOTO VERENA BODENSTEIN

Der Lebensplan vieler: Abi, Studium, Job. Doch nicht immer lässt sich dieser Plan realisieren. Dann sieht es manchmal doch eher so aus: Abi, Studium, Studienabbruch … Und dann? Genau das hat sich auch Julia gefragt. Sie war immer gut in der Schule, hat nach ihrem Abi eine Ausbildung als Tierarzthelferin absolviert und fing daraufhin ein Studium der Biomedizinischen Technik an der Fachhochschule Aachen an. Doch kurz vorm Ziel – als sie bemerkte, dass sie noch weitere drei Monate für ihre Bachelorarbeit benötigen würde – wurde ihr alles zu viel und sie brach ihr Studium ab. Ein ziemlich niederschmetternder Moment für Julia. »Der Entschluss mein Studium abzubrechen, war für mich schon eine Niederlage«, sagt die 31-Jährige. Doch irgendwie musste es weitergehen.

Von ihrem Vater bekam sie einen Tipp. Bei der Handwerkskammer in Aachen gäbe es ein Programm für Studienabbrecher, das »RESET-Programm«. Er fragte sie, ob das nicht etwas für sie wäre.

Ehe sie sich versah, saß sie auch schon in einer der Sprechstunden von Herrn Schaar, Ansprechpartner des »RESET-Programms«. Die Gründe für ihren Studienabbruch waren für ihn nicht so wichtig, er konzentrierte sich direkt aufs Wesentliche und fragte nach: Was hast du bis jetzt gemacht? Was kannst du? Wo sind deine Stärken oder auch Schwächen? Und ganz wichtig, wie kann ich dir helfen? Mit so viel Interesse hat Julia im Leben nicht gerechnet.

»Ich habe Herrn Schaar ehrlich gesagt: ›Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll oder was ich gerade tun soll.‹ Mein Studienabbruch war für mich schon sehr schwierig. Doch Herr Schaar kam direkt mit Ideen, was man so machen kann und was sinnvoll wäre.«, sagt ­Julia. Er gab ihr eine Liste mit möglichen Ausbildungsplätzen und hat bereits beim ersten Gespräch ein paar Leute angerufen, ihnen von ihr berichtet und gefragt, was man für sie tun könnte. Das gab ihr schon mal die nötige Motivation, um auch selbstständig Bewerbungen raus zu schicken. Herr Schaar war dabei immer im Hintergrund, hat gefragt, wie es läuft und auch nach Rückmeldung gebeten, wenn er länger nichts von ihr gehört hat.

Jetzt darf Julia stolz sein: Seit August 2018 macht sie eine Ausbildung als Orthopädietechnik-Mechanikerin bei BB medica und darf sogar im Rahmen ihrer Ausbildung ihre Bachelorarbeit fertigstellen. Ein wahrer Glücksfall für sie. Eine ihrer Lieblingsaufgaben in ihrer Ausbildung ist die Arbeit an der Orthese für den fünfjährigen Noah. Seine Orthese gibt seinem Fuß die nötige Unterstützung, so dass er sich viel besser bewegen kann. »Wenn Noah uns besucht, kommt er meistens schon den Gang entlang gerannt. Er freut sich dann immer und fragt voller Neugier: ›Kriege ich neue Schuhe?‹. Das macht mich richtig glücklich.«

Wir sehen: Ein Studienabbruch ist nicht das Ende der Welt. Und manchmal braucht es einen solchen Abbruch, um den richtigen Lebensweg einschlagen zu können, wie bei Julia.

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