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Jung und für Europa

Am 26. Mai ist Europawahl. Wir haben Leute getroffen, die noch viel mehr für Europa machen als einfach nur ihrer Bürgerpflicht nachzugehen und wählen zu gehen. Ob Europabotschafter im Info-Büro oder als grafischer Gestalter – in Aachen gibt’s sie alle.

TEXT SIMON WIRTZ
FOTO ANNE SCHÄFER

Im Kino, im Klamottenladen, in der Bäckerei … Studentenjobs gibt es viele. Florian Wayend, Student an der RWTH, macht einen ganz besonderen Nebenjob: Er arbeitet bei Europe Direct, direkt am Dom. Das ist eines von europaweit Hunderten Informationsbüros der Europäischen Union. »Meine Hauptaufgabe ist das Informieren. Wir machen Workshops mit Schulklassen und erklären Leuten, die vorbeikommen, was zum Beispiel die Europäische Kommission ist und wie man an den Wahlen teilnehmen kann«, erklärt Weyand. Auch Anfragen von Bürgern gehören dazu: »Viele arbeiten in Belgien oder der Niederlande und wohnen in Aachen, oder umgekehrt – da gibt’s dann ‘ne Menge Fragen, und dafür sind wir die Experten«. Aber wie kommt man auf die Idee, neben der Uni in ’nem Europabüro zu jobben?
»Gute Frage!«, lacht Weyand. »Ich finde Politik einfach super interessant und habe dann ein Freiwilliges Politisches Jahr gemacht nach dem Abi, bei der Städteregion. Und da hatten wir schon viel mit Europe Direct zu tun. Die Arbeit des Büros hat mich damals sehr angesprochen und dann habe ich mich spontan beworben«, erklärt er. »Und gerade jetzt vor den Wahlen ist unsere Arbeit wichtig – denn viele blicken einfach nicht mehr durch, schon bei den Landtagswahlen nicht. Brüssel ist denen dann schon viel zu weit weg. Dass in Brüssel Sachen entschieden werden, nach denen sich die Deutsche Gesetzgebung richten muss, wissen viele nicht. Deshalb ist es verdammt wichtig, wählen zu gehen! Und wer eine gute Wahl treffen will, muss Bescheid wissen«, so Wayend.

Europawahl auf Instagram
Mehr Aufmerksamkeit für die Europawahlen möchten auch die beiden FH-Studenten Henry Monse und Robert Franke erregen. Als angehende grafische Gestalter war es ihnen wichtig, dafür ihre Möglichkeiten zu nutzen – und die vieler anderer, denn »Europe Poster«, so heißt die Instagram-Seite der Beiden, ist ein Projekt von Grafikern aus aller Welt. »Es geht um Wahlplakate. Keine normalen, wie sie am Straßenrand stehen, mit irgendwelchen riesigen Schriftzügen und lächelnden Gesichtern. Es geht darum, Wahlplakate neu zu denken, mit viel Fantasie, unseren Möglichkeiten und unparteiisch. Denn es soll um Europa gehen, nicht unbedingt um die Parteien«, erklärt Henry. Was die beiden besonders interessant finden: Die Einsendungen der Kreativen kommen nicht nur aus Europa, sondern auch aus Australien und Kanada.
»Wahnsinn!«, ruft Robert. »Da waren echt jede Menge Motive aus Asien, Australien und auch Amerika dabei, neben den vielen Europäischen. Ich hätte niemals gedacht, dass wir eine solche Aufmerksamkeit erregen würden, und das weltweit«, freut sich auch Henry. Ob sie die Aktion wiederholen wollen? »Das war unsere erste Aktion auf Instagram, und wir sind ganz zufällig darauf gekommen. Wir hatten ein ähnliches Projekt in der Uni und dachten einfach, dass es dabei nicht bleiben kann. Also haben wir überlegt und sind auf die Instagram-Aktion gekommen«, erklären die Designer. »Wer weiß, vielleicht wiederholen wir das ja. Wenn man sich die Beteiligung anschaut, dann macht das absolut Sinn«, ist sich Henry sicher.

Und du so?
Aktiv werden für Europa kann man in Aachen bei verschiedenen Gruppen – auch unparteiisch. Die Teams von »Pulse of Europe«, den Young European Federalists und des interdisziplinären Studentenverbands Aegee suchen immer Unterstützung. Wer interessiert ist, eine junge, paneuropäische Partei mit aufzubauen, der sollte sich mal die neu gegründete Partei Volt anschauen. Das Besondere: Volt gibt es nicht nur in Deutschland, sondern in über 30 Ländern. Grenzübergreifend will die Partei Politik für ein föderales Europa machen und dabei mithelfen, dass Politik neu gedacht und gestaltet wird. Und auch in Aachen gibt es bereits eine Untergruppe, die Unterstützer sucht.
Und nicht vergessen: Am 26. Mai wählen gehen. Weil jede Stimme zählt. \