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»Nicht auf Biegen und Brechen den Affen raushängen lassen«

Camarel aus Aldenhoven sind auf dem Weg zu einer der beliebtesten Bands der Region. Aktuell touren die Vier von Bühne zu Bühne, um ihr Debüt-Album zu promoten. Im Interview sprechen sie über Rock’n’Roll und Studiokoller während der Aufnahmen.  

INTERVIEW MARCUS ERBERICH

Euer erstes Album ist Ende 2013 erschienen. Wie liefen die Studio-Aufnahmen? So richtig mit Schlafsack und Koffein-Tabletten?

Joel: Eher ohne Schlafsack. Wir haben ja nicht viel geschlafen…

Michael: Wir haben schon lange Sessions gemacht, teilweise bis vier, fünf Uhr. Aber immer nebenbei. Wir haben uns nicht tagelang im Studio eingebunkert, sondern gezielt Parts aufgenommen. Wir haben uns Zeit gelassen. Die nächste Platte wollen wir aber schneller produzieren.

Gibt es jemanden, der euch während der Aufnahmen gesagt hat: Das klingt gut, das klingt scheiße…? 

Michelle: Ja, mein Vater. Der ist selber Musiker und war öfter im Studio dabei. Das ist auch gut, weil man selbst irgendwann zu nah an den Songs dran ist.

Seid ihr euch im Studio auch manchmal gegenseitig auf den Sack gegangen? 

Joel: Ja…

Michael: Ja, klar!

Michelle: Aber ordentlich.

Michael: Das geht nicht ohne. Vier Musiker bedeutet manchmal vier verschiedene Meinungen. Und dann geht man sich auch mal gegenseitig auf den Geist. Dann ist man auch manchmal froh, wenn man sich einen Tag nicht sehen muss. Aber am nächsten Tag geht’s dann weiter.

Michelle: Wenn man irgendwas zehntausend mal singen muss, das kann schon nerven. Aber wir haben uns auch immer wieder eingekriegt. Das ist normal. Und wir hatten ja auch ganz viel Spaß.

Lieber Studio oder lieber Bühne? 

Alle: Bühne!

Michelle: Vor den Leuten stehen und Spaß haben.

Joel: Im Studio musst du dich die ganze Zeit konzentrieren, darfst keine Fehler machen. Auf der Bühne ist das egal. Da gehst du einfach hin und hast Spaß.

Michael: Auf der Bühne gibt’s keinen zweiten Take. Es geht nur um den Moment, da muss alles sitzen.

Wie geht ihr mit Lampenfieber um? 

Joel: Gar nicht. Ich bin vor jedem Auftritt aufgeregt, aber was willst du machen? Du gehst hin und spielst. Nutzt ja nichts… (lacht)

Keine Tricks? 

Joel: Nee. Wir trinken jetzt auch keine Flasche Schnaps vorher.

Michael: ’ne ganze Flasche wäre auch witzig…

Michelle: Wenn wir auf der Bühne stehen, gucken wir uns noch mal gegenseitig an, nicken uns zu und spielen dann los.

Welcher war euer bester Gig?

Michael: Das Halbfinale vom Cap Contest war einer unserer besten Auftritte, finde ich.

Michelle: Für mich gibt es viele beste Gigs. Wenn wir total locker waren, mit den anderen noch ein bisschen feiern konnte. Einen megabesten wüsste ich jetzt nicht.

Und ist schon mal ein Gig so richtig in die Hose gegangen? 

Michael: Genau darauf warten wir eigentlich noch.

Michelle: Noch nicht so richtig.

Camarel Cover

So sieht das erste Album von Camarel aus.

Michael: Ich predige ja immer: Es wird der Tag kommen, an dem wir vor drei Mann spielen müssen, total unvorbereitet sind und eine Gitarre hinfällt. Ich bin mir sicher, das kommt noch. Aber so einen richtig miesen Auftritt hatten wir bisher noch nicht.

Michelle: Sogar unser erstes Konzert im Wild Rover war proppenvoll! Und da haben wir eine Dreiviertelstunde gespielt. Frag mich nicht, wie wir das gemacht haben…

Ihr seid Dritter beim Stawag Music Award geworden. Warum nicht Erster? 

Michelle: Das fragen wir uns auch! Nee, wir kennen ja auch die anderen Bands und gönnen denen das. Wenn sie besser waren, waren sie eben besser. Das war für uns trotzdem ein geiler Auftritt.

Joel: Die Jury hat damals ja auch gesagt, dass es daran lag, dass wir nur eine normale Rockband sind. Die anderen waren mit einem anderen Konzept auf der Bühne, das war vielleicht ein bisschen erfrischender.

Michael: Außerdem haben alle, die im Finale waren, irgendwie gewonnen. Es gab ja eine riesige Vorauswahl…

Michelle: … und wir waren richtig überrascht, dass wir im Finale überhaupt dabei waren.

Plötzlich interessiert sich die Öffentlichkeit für euch. Reibt ihr euch noch manchmal die Augen oder seid ihr schon ganz routiniert? 

Michelle: Ich reibe mir schon manchmal noch die Augen. Plötzlich melden sich Veranstalter und Zeitungen bei uns. Das ist immer ein tolles Gefühl, wenn sich jemand für uns interessiert.

Ihr präsentiert euch öffentlich recht brav.

Michelle: Wir sind ja auch brav.

Würde ein bisschen mehr Rock’n’Roll euch nicht gut tun?

Michelle: Vielleicht.

Michael: Die Frage ist ja, ob wir so sind. Das muss ja von uns aus kommen.

Joel: Wir wollen authentisch sein. Wenn wir auf der Bühne jetzt auf Biegen und Brechen den Affen raushängen lassen, kommt das nicht gut.

Michael: Wobei wir live ja auch ein bisschen witziger unterwegs sind als auf der Platte. Auf der Bühne spielen wir unsere Stücke ein bisschen schneller. Da kracht’s auch mal, da gibt’s Feedback vom Publikum. Das ist dann schon mehr Rock’n’Roll.

Gibt’s Bands, für die ihr nie im Leben Support machen würdet?

Michelle: Der Wendler …

Michael: … Udo Lindenberg wäre für mich ein No-Go. Sorry. Bei allem Respekt vor seinem Lebenswerk.

Joel: Oder die Kastelruther Spatzen.

Michelle: Vier Amigos (alle lachen).

Wer hat bei euch die Hosen an?

Joel: Wir haben alle vier Hosen an.

Michael: Ja. Es ist wichtig, dass jeder seinen Teil beiträgt und Verantwortung übernimmt. Jeder ist involviert und muss das Ding tragen.

Michelle: Es gibt keinen, der die anderen mitziehen muss.

Joel: Das ist ja auch viel schöner so.

Schonmal an Band-Auflösung gedacht?

Michelle: Nein, noch nie!

Michael: Davon sind wir weit entfernt.

Gebt doch mal einen Ausblick: Wie sehen die nächsten Wochen und Monate für euch aus?

Michael: Wir werden vor allem unsere Platte präsentieren, mit möglichst vielen Konzerten. Wir arbeiten heimlich an neuen Songs und wollen Ende des Jahres mit den Aufnahmen der neuen Platte beginnen. 2015 soll es dann spätestens ein neues Album geben.

Joel: Ein Musikvideo wäre noch sehr geil. So was haben wir noch nicht.

Der Sommer kommt – habt ihr Auftritte bei Festivals in Aussicht?

Joel: Die Bewerbungen sind raus, wir haben uns bei ganz vielen Festivals beworben. Aber bisher haben wir noch keine Rückmeldung bekommen.

Michael: Außer von Rock am Ring … da werden wir dieses Jahr definitiv nicht spielen!

Hinweis: Stefan Engels konnte beim Interview im Café Kittel nicht dabei sein.

LINK: Camarel auf Facebook