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Ein Bier mit … Junge Freunde Ludwig Forum

Der erste Anlauf im Jahr 2012 verlief im Sande, jetzt formieren sich die Jungen Freunde Ludwig Forum neu. Ein Gespräch mit Andreas Leifeld und Inesz Heuschkel.

INTERVIEW: MARCUS ERBERICH

Beginnen wir mit einer Provokation: Warum sollten sich junge Menschen überhaupt noch für Kunst interessieren?

Inesz Heuschkel: Das ist eine spannende Frage. Ich finde ja, Kunst ist ein Lebensmittel, nicht nur ein Sahnehäubchen. Was ich bei der Arbeit mit jungen Erwachsenen sehe, ist, dass viele erst mal eine Vermittlung brauchen. Ein Bindeglied, an das sie andocken können. Also ich glaube, dass es schon noch genug kunstbegeisterte junge Menschen gibt. Die Jungen Freunde Ludwig Forum verstehen sich da als Rampe, oder als Brücke. Was die Leute am Ende daraus machen, ist ihr Ding.

S5_Andreas Leifeld

»Wir müssen die Leute wieder daran erinnern, dass sie Kunst doch eigentlich ziemlich geil finden«

Andreas Leifeld: Ähnlich wie in der Musik, zu der ich immer Parallelen sehe, haben sich die Konsumgewohnheiten der Leute verändert. Früher hat man sich noch ganze Platten gekauft, ganze Alben, und hat die von vorne bis hinten durch gehört, fand das Artwork cool. Das ist heute bei vielen anders. Es gibt sicher noch viele Leute, die Musik kaufen. Aber lieber möchten die Kids ihren USB-Stick irgendwo anschließen, sich hiervon drei Songs und davon drei Songs nehmen – und das am liebsten möglichst weit gefächert. Bezieht man das auf die Kunst, ist ihnen nur der Weg dorthin etwas zugewuchert. Jugendliche denken oft nur an die trockenen Themen aus dem Kunstunterricht, der oft sehr klassisch stattfindet. Ich glaube nicht, dass den jungen Leuten irgendwas fehlt, außer jemand, der sie da abholt, wo sie stehen. Wir müssen die Leute wieder daran erinnern, dass sie Kunst doch eigentlich ziemlich geil finden.

Viele haben Angst vor ihrem eigenen Ersteindruck. Was, wenn mich ein Kunstwerk total kalt lässt?

Inesz: Kunst ist immer ein Dialog zwischen den Menschen und dem Werk. Und im Idealfall machst Du das nicht alleine, sondern zusammen mit Kunstvermittlern wie mir. Mein Ansatz ist da: Wie kommen wir dazu, dass die Leute erkennen, was ein Kunstwerk mit ihnen macht? Dieser Dialog setzt aber nicht voraus, dass man alles, was im Museum hängt, automatisch toll finden muss. Man darf auch mal sagen: »Naja, das kann mein kleiner Bruder auch.« Das kann ja auch gut sein, aber dann muss man weiter gehen und fragen: Was macht das jetzt aber trotzdem zu Kunst? Mann muss nicht den Kunstalmanach studiert haben, bevor man über Kunst mitreden darf.

Andreas: Dazu fällt mir wieder ein Vergleich aus der Musik ein. Musik dudelt den ganzen Tag um uns herum, einen Musikgeschmack hat also jeder. Wenn es um Kunst geht, weiß kaum einer, was er wirklich toll findet. Ich glaube, unsere Aufgabe ist es, junge Menschen über Pop und Rock an die Klassik heran zu führen. Wenn man die Frage aber total ernst nimmt, ist das ganz schwierig. Fachwissen und der akademische Umgang mit der Kunst sind natürlich ganz wichtig. Auf der anderen Seite nimmt genau das einem die kindliche Leichtigkeit im Umgang damit.

Einige Museen betrachten sich selbst als beinahe sakrale Orte. Vielleicht ist das für junge Menschen nicht besonders sexy…

Inesz: Weg vom Musentempel! Das soll jetzt aber nicht heißen, dass man randalierend durchs Museum laufen muss. Der Respekt den Werken gegenüber ist schon wichtig. Trotzdem: Keine Angst vor Kunst!

Andreas: Natürlich ist es toll zu sehen, wenn Kinder oder Jugendliche sich im Museum lautstark für Kunst begeistern. Aber man will ja die Leute, die Kunst still aufnehmen, nicht ausschließen. Es muss beides geben.

Wieso ist es Euch so wichtig, in jungen Menschen wieder mehr Begeisterung für Kunst zu entfachen?

Inesz: Weil Kunst das Leben bereichert. Wir wollen den Leuten sagen: Das ist so großartig, ihr müsst das alle sehen!

Andreas: Ich denke da nur an Banksy mit seinen Graffitis. Dieses Graffity mit dem Mädchen, das an Luftballons hängt und mit ihnen hoch fliegt, hat der auf der Mauer von Bethlehem angebracht. Da kriege ich Gänsehaut, wenn ich nur daran denke! Kunst kann aber auch eine ganz basale Funktion erfüllen, nämlich die der Ästhetik. Das sieht man in ganz vielen Haushalten und Arztpraxen. Ich muss einen Kandinsky nicht immer gleich hinterfragen, sondern ich darf mir einen Druck an die Wand hängen, ganz einfach weil ich ihn schön finde. Das ist erlaubt!

Was wollt ihr bei den neuen Jungen Freunden Ludwig Forum anders machen?

S5_Inesz Heuschkel

»Mann muss nicht den Kunstalmanach studiert haben, bevor man über Kunst mitreden darf«

Inesz: Ziel ist es nach wie vor, jungen Leuten Kunst zugänglich zu machen und zu vermitteln. Und das mit niederschwelligen Angeboten, also zum Beispiel mit Partys nach Ausstellungsbesuchen, damit es einfach nicht ganz so trocken ist. Und hier schließt sich der Forums-Gedanke des Ludwig Forums an: es soll eine Plattform sein zum Ausprobieren. Es geht darum, Kunst lebendig zu machen. Man kann Kunst nicht nur passiv konsumieren, sondern man kann Workshops dazu machen, selbst dazu arbeiten und so einen ganz anderen Zugang zur Kunst bekommen. Es geht aber auch um Kunstvermittlung, also zum Beispiel Führungen mit anschließendem Künstlergespräch. Am liebsten natürlich mit Künstlern, die sich den Fragen der jungen Leute stellen wollen und auch in deren Sprache sprechen. Neu ist, dass wir beide die Projektleitung machen. Wir haben vor, die Jungen Freunde nachhaltig und dauerhaft zu beleben. Wir wollen uns als Institution in Aachen etablieren.

Andreas: Wir wollen ein Baustein in der Stadt sein, der dazu beiträgt, aus dieser etablierten Kunst etwas heraus zu kommen. Es sollen alle beteiligt werden, nicht nur Leute, die bildungs- und geldmäßig ohnehin in der Kunstszene herum schwirren. Und das versuchen wir jetzt mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung gestellt werden. \

Am 30. Januar um 18 Uhr gibt es eine Exklusiv-Führung durch die aktuelle Nancy-Graves-Ausstellung für die Jungen Freunde Ludwig Forum und alle, die es werden wollen! Die Führung ist kostenlos, im Anschluss gibt es einen geselligen Umtrunk zum Selbstkostenpreis.

Die Jungen Freunde Ludwig Forum suchen immer nach tatkräftigen Unterstützern! Informationen auf Facebook und unter der E-Mail-Adresse JungeFreundeLudwigForum@gmx.de