Laufbahn

»Hey, das hab ich aufgebaut!«

Foto: Marcus Erberich

Foto: Marcus Erberich

Dennis Ruske ist 22 und studiert im dualen Studiengang Wirtschaftsinformatik. Und nebenbei baut er fleißig seine Zukunft: Selbstständigkeit per Internet-StartUp.

INTERVIEW: MARCUS ERBERICH

Dennis, du arbeitest derzeit an deinem Online-StartUp. Wie wird das aussehen?
Es wird eine Website sein – www.mein-friseurtermin.de – auf der man ganz einfach Friseurtermine online vereinbarenkann. Kunden können dann ohne Stress einen Termin bei ihrem Lieblingsfrisör bekommen, Frisöre können so besser ihre Zeit einplanen und dadurch verdient der Salon mehr, und ich verdiene an meinen Kunden, den Frisören. Das ist eine Win-win-win-Situation, wenn man so will.

Wie bist du auf die Idee gekommen?
Ursprünglich wollte ich das alles mit Ärzten machen. Auf die Idee bin ich gekommen, als ich eines Morgens krank aufgewacht bin – in Leipzig – und nicht wusste, wo der nächste Arzt ist. Und ich wollte auch keinen anrufen, weil es immer so ätzend ist, mit Ärzten Termine auszumachen. Mal kann ich nicht, mal hat er keinen Termin frei. Da dachte ich mir, wie praktisch es doch wäre, wenn man das einfach online machen könnte. Aber Frisöre sind schon Lifestyle-bedingt offener für solche Ideen, also habe ich umgestellt.

Wie weit bist du mit der Umsetzung?
In meinem Kopf ist eigentlich alles schon fertig. Und zumindest das Marketing-Konzept steht schon. Erste Kunden habe ich schon angesprochen, darunter meinen Frisör, und ein paar Bekannte haben dann bei ihren Frisören angefragt. Vier, fünf mündliche Zusagen habe ich sogar schon bekommen. Nur an der Programmierung hapert es derzeit ein wenig. Mir fehlt ganz einfach die Zeit, alles selbst zu programmieren, und einen freiberuflichen Programmierer kann ich mir nicht leisten. Als Student bin ich chronisch pleite, ich kann niemanden bezahlen. Aber ich habe schon bei einem ehemaligen Schulkameraden angefragt, der überlegt sich gerade, ob er mit einsteigen will.

Hast du dir schon Gedanken über Geld gemacht?
Der User bezahlt gar nichts, für den ist der Service kostenlos. Und für Frisöre kostet die virtuelle Terminverwaltung 30 Euro. Und wenn ein User einen neuen Frisör für mich wirbt, dann bekommt der 25 Euro als Belohnung. Bisher steckt in dem ganzen Projekt noch kein Cent, mit dem ersten zahlenden Kunden würde ich also Gewinn machen.

Wie groß soll das Ganze denn mal werden?
Sobald das Projekt gestartet ist, werde ich von Frisör zu Frisör gehen und so Kunden sammeln. Dann muss ich richtig Gas geben. Und dann wäre es schön, davon eines Tages leben zu können. Das Ganze soll ja nicht nur in Aachen die Runde machen, sondern in ganz Deutschland und vielleicht auch international – vielleicht in London. Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, 20 Kunden anzuwerben. Und im nächsten Jahr 60 weitere. Das sind natürlich alles Mindestangaben…

Das klingt nach Stress…
Ja, aber es ist spaßiger Stress. Ein Stück weit ist das für mich Selbstverwirklichung. Eines Tages will ich sagen: Hey, das hab’ ich aufgebaut! Und das Geld, das ich damit verdienen will, spielt natürlich auch eine Rolle. Diese Idee ist permanent in meinem Kopf. Mir juckt es schon in den Fingern, wenn ich wegen der Uni oder der Arbeit mal nichts dafür tun kann. Ich will schließlich vorankommen.

Warst du immer schon so?
Ja. In der vierten Klasse sollten wir mal einen Fragebogen ausfüllen, was wir in unserem Leben so anstellen wollen. Ich habe dann geschrieben, dass ich irgendwann mal eine Firma haben will. Und ich hatte schon ein paar StartUp-Ideen, die allerdings nie live gegangen sind. Aber aus jeder Idee habe ich etwas gelernt, etwas mitgenommen. Und dieses Mal werde ich die Sache durchziehen müssen. Ich habe schon zu vielen Leuten von der Idee erzählt, da würde ich ja meine Glaubwürdigkeit verlieren, wenn’s jetzt wieder nicht klappt (lacht). Und außerdem: Die Idee ist einfach cool!

Und ein Investor wäre nichts für dich?
Nein, das will ich nicht. Die nehmen dich nur aus. Und wenn du nicht das machst, was der Investor will, bist du draußen. Wenn überhaupt, dann mache ich das mit einem Business-Angel, oder über Crowdfunding.

Keine Angst vor der Welt der Unternehmer?
Man muss natürlich eine gewisse Qualifikation mitbringen, das ist klar. Viele denken, Selbstständigkeit sei so unsicher und wollen daher lieber eine feste Anstellung haben. Aber das Unternehmertum ist gar nicht so böse, wie manche meinen. Im Grunde kann das doch jeder. Und wenn man ein paar Leute in der Szene kennt, die das nötige Know-how haben, dann ist man mit seinen Ideen ja auch nicht alleine.

Es gibt eine Szene?
Ja. Die StartUp-Szene. Das Epizentrum liegt hier ganz klar in Berlin. Mit weitem Abstand folgen dann Hamburg, Köln, München und vielleicht noch Karlsruhe. Aber auch in Aachen gibt es eine Szene. Zum Beispiel den Gründerstammtisch, der sich einmal im Monat trifft. Der ist gerade für erste Kontakte sehr sinnvoll. Und in dieser Szene redet man recht offen miteinander über seine Ideen. Sonst kann man ja nie Feedback kriegen. Gut, es gibt ein paar, die das nicht verstehen, aber die meisten verstehen es.

Und wann können wir nun unsere Frisörtermine online vereinbaren?
Ich hoffe, so bald wie möglich. Ich warte noch auf Antwort von meinem Schulkameraden. Aber wenn der als Gesellschafter mit einsteigt, dann sollte es recht fix gehen! \

(Erstmals erschienen in Klenkes Neo 7 »Liebe«)